Donnerstag, 12. November 2015

Steam Time



Verlag: Kosmos
Autor: Rüdiger Dorn
Spieleranzahl: 2 - 4
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 90 Minuten


Einleitung:

Mythische Orte wie Stonehenge oder die Pyramiden haben schon immer die Fantasie der Menschheit beflügelt. In Steam Time sendet das „Temporalinstitut zur Monumentexploration“ zwei bis vier Spieler aus, um diese Bereiche zu ergründen, da dort die Zeit verrückt spielt. Wer setzt seine Luftschiffe am besten ein, um mit einzigartigen Kristallen die optimale Anzahl an Ansehenspunkten zu erspielen?

Ablauf:

Zunächst wird der Spielplan aufgebaut und gemäß der Anleitung mit den benötigten Utensilien bestückt. Anschließend erhält jeder Spieler eine Luftschifftafel, drei Luftschiffe, acht Gold sowie diverse Kristalle und ggf. Steam, die abhängig von der Spielerreihenfolge vergeben werden. Die Reglerscheiben (=Marker) der Spieler werden auf die Ansehensleiste, die eigene Steam-Leiste und das Startfeld des eigenen Zeitportals gelegt.

Steam Time verläuft über fünf Runden, die jeweils in drei Phasen unterteilt sind. In der Einkommensphase erhalten die Spieler für ihre gebauten Upgrades ein bestimmtes Einkommen, welches von der Art des Upgrades abhängig ist (Gold, Ansehen, Kristalle). Kristalle werden in die farblich passenden Generatorenausbuchtungen der Luftschifftafel gelegt. Je nach Aktion bringen diese Kristalle diverse Boni. Außerdem dienen sie als Zahlungsmittel für Expeditionen und Aufträge.

Nun folgt die Aktionsphase. In dieser Phase kann der aktive Spieler die Startspielerkarte nehmen und sich damit Sonderaktionen sichern, oder er setzt eines seiner Luftschiffe auf ein Aktionsfeld des Hauptspielplans. Der aktuelle Startspieler darf in seinem ersten Zug die Startspielerkarte nicht nehmen (erst ab dem zweiten Zug, sofern die Karte dann noch verfügbar ist). Das Einsetzen eines Luftschiffs löst eine Aktion aus. So kann der Spieler beispielsweise eine Auftragskarte nehmen, die am Ende des Spiels Siegpunkte einbringt, wenn der Spieler dann noch die benötigten Kristalle abgeben kann. Oder der Spieler entscheidet sich für eine Begegnung mit einer historischen Persönlichkeit, die bestimmte Vorteile gewährt. Wählt der Spieler ein Kristall-Aktionsfeld, kann er beliebig viele der dort vorhandenen Kristalle für je zwei Gold kaufen. Eine weitere Aktionsmöglichkeit ist der Bau eines Upgrades der eigenen Luftschifftafel. Dieser Ausbau ist mit Kristallkosten verbunden. Last not least kann der Spieler auch Gold nehmen oder eine Expedition durchführen, die wiederum Kristalle gemäß dem Aufwandfeld kostet. Für alle Aktionen erhält der Spieler zusätzlich verschiedene Boni, wenn er Kristalle der entsprechenden Farbe in seinen Generatoren liegen hat. Beim Setzen der Luftschiffe ist des Weiteren zu beachten, dass die Luftschiffe in der Regel nur zeitlich aufsteigend eingesetzt werden dürfen. Manche Aktionen bewegen das Zeitportal auf der eigenen Luftschifftafel. Sobald der Marker das Zeitportal einmal umrundet hat, steht dem Spieler eine Bonusaktion zur Verfügung, die sogar gegen den Zeitstrom eingesetzt werden kann.

Sobald alle Spieler ihre Luftschiffe eingesetzt haben, endet die Aktionsphase und die Nachschubphase wird abgehandelt. Hierbei erhalten die Spieler ihre zuvor eingesetzten Luftschiffe zurück und die Materialien wie Kristalle oder Aufträge werden ausgetauscht. Das Spiel endet nach der fünften Runde. Nun werden noch die Aufträge ausgewertet und zu den bereits erspielten Ansehenspunkten addiert. Der Spieler mit den meisten Punkten hat dann gewonnen.
Hinweis: erfahrene Spieler können Steam Time auch mit den beiliegenden Modulen „Sabotage“ und/oder „Spezialisten“ spielen, die das Spielprinzip aber nur unwesentlich verändern.

Meinung:

Steam Time ist ein Brettspiel im Steampunk-Design. Da dieser Begriff möglicherweise nicht jedem Spieler bekannt ist, wird zunächst die Begrifflichkeit in einem Satz erklärt. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um futuristische Technologien in Verbindung mit viktorianischen Errungenschaften (hier: mit Dampf angetriebene Zukunftsluftschiffe). Für Steampunk ist Steam Time ein bisschen zu bunt ausgefallen. Allerdings ist das Spiel hinsichtlich seiner Übersichtlichkeit sehr zu loben. Am Anfang sind unerfahrene Spieler von der Vielfalt der Möglichkeiten möglicherweise etwas „erschlagen“, doch bereits nach dem zweiten Durchlesen der hervorragend geschriebenen Anleitung klären sich sämtliche Unklarheiten auf. Ideal wäre natürlich die Spielerklärung durch einen gestandenen Steam Time Experten, der das Spiel mit all seinen Facetten erläutert.

Der Kosmos Verlag ist den meisten Spielern primär als Garant für ausgezeichnete und erfolgreiche Familienspiele bekannt. Catan, Ubongo und Andor sind vermutlich die bekanntesten Marken der Stuttgarter. Doch mit Nauticus und Helvetia hat Kosmos auch schon hervorragende anspruchsvollere Brettspiele für Kenner- und Vielspieler veröffentlicht. In diese Kerbe schlägt auch Steam Time. Das Spiel eignet sich in erster Linie für erfahrene Strategen und ambitionierte Gelegenheitsspieler. Kindern dürfte das Ganze vermutlich zu komplex sein, obwohl das Grundprinzip gar nicht mal so kompliziert ist. Aber das Spiel ist nun mal leicht verschachtelt und damit für „normale“ Spieler sicherlich keine leichte Kost. Vielspielern hingegen dürften die Mechanismen keine Probleme bereiten, zumal die meisten Spielelemente von anderen Spielen bekannt sein dürften (z.B. das Setzen „im Strom“ á la Egizia oder die Bonusaktion nach Umrunden des Zeitportals, die im weitesten Sinne ein kleines bisschen an die Machtaktionen von Terra Mystica erinnert).

Der Spielspaß ist gut bis sehr gut. Wer Freude am klassischen Workerplacement hat, kommt bei Steam Time voll auf seine Kosten. Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, dass der allerletzte Funke nur mit Mühe überspringt. Woran liegt das? Um ganz ehrlich zu sein – keine Ahnung! Die Mechanismen funktionieren, die kleinen grauen Zellen haben Spaß am Ausbaldowern der optimalen Strategie und die verschiedenen Elemente wurden zu einem homogenen Gesamtwerk zusammengesetzt. Und das Spiel ist wohlgemerkt richtig gut! Vielleicht liegt es an der bunten Steampunk-Aufmachung, dass der allerletzte Kick fehlt. Nichtsdestotrotz ist Steam Time ein durchaus empfehlenswertes Spiel geworden, das von Vielspielern ruhig mal ausprobiert werden sollte.

Last not least noch ein Wort zu den Fortgeschrittenen-Modulen: Eingesetzte Saboteur-Chips verursachen lediglich Zusatzkosten, wenn ein Spieler die entsprechende Aktion ausführen möchte. Dieses Modul verändert das Grundprinzip so gut wie gar nicht. Interessanter ist hingegen das Spezialisten-Modul, in der ein Spieler vor dem Ausführen seiner Aktion ein oder zwei Spezialisten ausspielen kann, um sich durch die Sonderfähigkeit diverse Vorteile zu verschaffen. Eine grundlegende Modifizierung des Grundspiels findet jedoch auch damit nicht statt (und das ist auch gut so, denn das Basisspiel ist wie gesagt durchaus gelungen).

Fazit:

Nach Nauticus und Helvetia ist Steam Time eine weitere Vielspieler-Veröffentlichung aus dem Hause Kosmos. Das Spiel ist definitiv gelungen und macht großen Spaß. An die besten Spiele in diesem Genre kommt Steam Time aber nicht heran. Da es dennoch in der oberen Mittelklasse bis unteren Oberklasse angesiedelt ist, rechtfertigt diese Klassifizierung zweifellos eine Weiterempfehlung zum Antesten. Alles in allem gilt also auch hier: Daumen hoch.

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