Mittwoch, 27. August 2025

Stupor Mundi

Verlag: Pegasus (Lizenz von Quined Games)

Autor: Nestore Mangone

Spieleranzahl: 1 - 4

Alter: ab 12 Jahren

Spieldauer: 90 - 150 Minuten

 

 

Einleitung:

 

Thematisch entführt uns Stupor Mundi einmal mehr ins Mittelalter, wo wir als klassische Adelsfamilien agieren um am Ende einer Partie die meisten Siegpunkte zu besitzen. Dazu unterstützen oder sabotieren die Spieler den Kaiser, bauen ihre eigenen Burgen aus und rekrutieren wertvolle Verbündete für ihre Vorhaben. Der namensgebende Titel der Veröffentlichung ist übrigens keine Mischung aus Harry Potter (Stupor -> Zauberspruch) und Black Sabbath (Anno Mundi -> überragender Song) sondern bedeutet soviel wie „Das Wunder der Welt“. Eine Bezeichnung, über die sich Friedrich II seinerzeit bestimmt gefreut hat.

 

Ablauf:

 

Zunächst werden der Hauptspielplan und der Reisespielplan in die Tischmitte gelegt und mit allen dazugehörigen Materialien bestückt. Der obere Bereich des Hauptspielplans zeigt Friedrichs Besitz (Bauten, Getreide, Steine, Geld, verfügbare Edikte) während im unteren Bereich die Facharbeiter der Spieler auf verschiedenen Wegen voranschreiten können. Der Reisespielplan beinhaltet verschiedene Häfen, verfügbare Verbündete und neue Aktionskarten.

 

Jeder Spieler erhält ein eigenes Spieltableau und ein eigenes Burgtableau mit Holzteilen, die unterschiedliche Arten des Burgausbaus darstellen (Türme, Mauern, Burgteile). Außerdem startet jeder Spieler mit 10 Handkarten, die zu seinem Tableau passen. Die Karten werden gemischt und als Nachziehstapel bereitgelegt. Jeder Spieler zieht fünf Karten nach. Abhängig von der Startposition beginnen die Protagonisten außerdem mit mindestens sechs Augustalen (=Geld).

 

Stupor Mundi verläuft in jeder Runde in zwei Phasen, nämlich der Aktionsphase und der Endphase. In der Aktionsphase darf der aktive Spieler zunächst reisen und dafür sein Schiff bewegen. Danach führt er eine Aktion aus indem er eine Handkarte ausspielt und unter einen Slot seines Spieltableaus schiebt. Wird die Karte offen ausgespielt erhält der Spieler das darauf abgebildete Material bzw. darf er alle abgebildeten Teilschritte ausführen. Alternativ kann der Spieler die Karte auch verdeckt unter einen Slot schieben. Dann führt er eine benachbarte Aktion des Slots aus. Sollte der Spieler bereits ein bestimmtes Burgteil gebaut haben darf er sogar beide Aktionen ausführen, also die rechte und die linke Aktionsmöglichkeit des Slots. Folgende Aktionen sind über die Slots des Spieltableaus möglich:

 

  • Fachkraft fördern (auf einem Pfad weiterziehen)
  • den Markt besuchen wo sein Schiff auf dem Reisespielplan steht
  • ein eigenes Burgteil bauen
  • einen Verbündeten im aktuellen Hafen anwerben
  • eine Aktionskarte vom aktuellen Hafen kaufen (diese wird gleich ausgeführt)

 

Selbstredend kostet nahezu jede Aktion Geld und/oder Ressourcen. Die Positionen der Fachkräfte gewähren diverse Vorteile bzw. Boni. In einigen Fällen darf ein Spieler während seines Zugs ein Edikt erlassen. Dazu nimmt er ein verfügbares Plättchen aus Friedrichs Bereich und setzt die abgebildeten Gebäude oder Ressourcen zu Friedrichs Besitz hinzu oder er nimmt sie weg. Hintergrund dieser Entscheidung sind seine Verbündeten die abhängig von Friedrichs Besitz in der Endphase Siegpunkte abwerfen. Und zu dieser Endphase kommen wir jetzt.

 

Sobald alle Spieler in der Aktionsphase gepasst haben wird die Endphase durchgeführt. Nun werden Handkarten nachgezogen, Einkommen abgehandelt und Siegpunkte durch Verbündete vergeben. Das Spielende wird eingeläutet wenn nicht mehr genügend Aktionskarten oder Edikte verfügbar sind oder ein Spieler alle seine Burgteile gebaut hat. Dann wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt und es folgt abschließend eine kleine zusätzliche Endwertung für errichtete Gebäude und verbliebene Materialien. Der Spieler mit den meisten Punkten hat dann gewonnen.

 

Meinung:

 

Bei der Beurteilung von Stupor Mundi greife ich gerne einen alten Fußball-Vergleich auf, den ich zugegebenermaßen schon öfters bei anderen Brettspielrezensionen verwendet habe: die Veröffentlichung ist ein richtig gutes Spiel, das es in die Europa League geschafft hat. Aber für die Champions League reicht es ehrlich gesagt nicht.

 

Fangen wir mit dem reinen Spielprinzip an. Da gibt es nichts groß zu bemängeln. Im Gegenteil … der Mechanismus der Edikte zugunsten von Friedrich (oder gegen ihn) ist relativ unverbraucht und sorgt für indirekte Interaktion zwischen den Spielern. Alle sonstigen Elemente sind altbewährte Mechanismen mit denen man nichts falsch machen kann. Stupor Mundi ist meiner Meinung nach ein gehobenes Kennerspiel an der Grenze zum Experten. Oftmals sind solche Spiel unnötig komplex, aber das ist bei Stupor Mundi nicht der Fall. Die Möglichkeiten sind überschaubar und für eine Veröffentlichung dieser Güteklasse leicht zugänglich. In diesem Zusammenhang muss die Spielanleitung explizit lobend herausgehoben werden. Dieses Regelwerk ist nahezu eine Blaupause für eine perfekte Anleitung. Da stimmt wirklich alles. Angefangen bei der Struktur über die erläuterten Beispiele bis hin zum Schreibstil. Top! Besser geht es nicht.

 

Stupor Mundi macht Spaß zu spielen und bietet den Konkurrenten viele Möglichkeiten die allesamt erfolgsversprechend sind. Eine Option scheint jedoch leicht herauszustechen, und das ist die Nutzung von beiden Aktionsmöglichkeiten eines Slots. Allerdings steht es ja jedem Spieler frei, sich diesen Bonus schnellstmöglich freizuschalten. Damit gleicht sich natürlich wieder alles aus. Trotz allem Spielspaß muss ich zugeben, dass mir spielerisch der allerletzte Kick fehlt. Dieses spezielle Etwas, das ein Spiel zu etwas ganz Besonderen macht. Dieser „Kick“ ist in der Regel aber meistens subjektiv und kann nicht verallgemeinert werden. Gleiches gilt für die Haptik. Meiner Meinung nach wirkt Stupor Mundi leicht antiquiert. Die riesigen Holzteile sind zwar äußerst wertig, aber spontan haben sie mich von der Größe her an das alte Spiel Krieg und Frieden erinnert. Und dessen Erscheinungsdatum liegt bekanntlich einige Jährchen her.

 

Mein letzter Kritikpunkt ist der Solomodus. Da möchte ich nicht groß drum rum reden … dieser hat mir nicht besonders gefallen. Das „beat your own Highscore“ Prinzip finde ich ohnehin nicht toll, aber zusammen mit der Zufälligkeit von Friedrichs Aktionskarten kann es manchmal echt zur Glückssache werden. Je nachdem, was gezogen wird, kann eine Partie unterschiedlich lang dauern, was natürlich enorme Auswirkungen auf die Strategie des Solospielers hat. Kurze Partien ermöglichen logischerweise immer weniger Siegpunkte als längere Spiele. Insofern ist der eigene Score immer mit Vorsicht zu beurteilen.

 

Fazit:

 

Nichtsdestotrotz gefällt mir Stupor Mundi richtig gut. Für die Höchstpunktzahl reicht es zwar nicht, aber eine Weiterempfehlung nach besten Wissen und Gewissen ist die Veröffentlichung definitiv wert.