Freitag, 26. August 2016

Domus Domini



Verlag: Franjos
Autor: Heinz-Georg Thiemann
Spieleranzahl: 2 - 6
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 25 Minuten pro Spieler


Einleitung:

Weil sich das Kloster von Cluny in einem schlechten wirtschaftlichen Zustand befindet, bittet Abt Petrus Venerabilis die angeschlossenen Klöster um Unterstützung. Im Austausch zu Nahrungsmitteln vergibt der Abt wertvolle Ablassbriefe, die in diesem Spiel als Siegpunkte fungieren. Wer die meisten Nahrungseinheiten abliefert, erhält die meisten Siegpunkte. Allerdings bekommt er auch nur die geringste finanzielle Unterstützung für die weitere Arbeit. Wer findet die beste Balance zwischen Ablassbriefen und Geld, um am Ende als Sieger des Spiels hervorzugehen?

Ablauf:

Jeder Spieler erhält ein Kloster-Tableau, drei Marker für den Klosterausbau, seine farblich passenden Spielfiguren und ein spielerzahlabhängiges Startkapital an Denaren. Weiterhin beginnen die Protagonisten mit drei Laienbrüdern und sechs Gemüse-Chips die auf das Kloster-Tableau platziert werden. Alle weiteren benötigten Utensilien wie Hundehütten, Wachhund-Chips und Sonderkarten werden neben den Spielplan mit der Straße nach Cluny bereitgelegt.

Domus Domini geht über fünf Runden (=5 Jahre), die in sieben Phasen unterteilt sind. In der ersten Phase wird zunächst der Startspieler der laufenden Runde ermittelt. Gegen Zahlung von einem Denar kann der eventuelle Startspieler-Nachteil an den linken Nachbarn weitergegeben werden (das kann ggf. über mehrere Durchläufe gehen). Nun wird eine Produktionskarte aufgedeckt, die zusätzliche Nahrungsmittel bei einem passenden Cellerar (=Wirtschaftsverwalter) gewährt. Abhängig von den Positionen auf den Tableau-Bereichen (Garten, Käserei, Brauerei) werden die Sonderkarten Gemüsekarren, Viehhirte und Trunkenbold vergeben. Bei Gleichständen auf den Leisten geben die höheren Cellerare den Ausschlag. Sofern in der vorangegangenen Runde Geld angespart wurde, werden nun die Zinsen ausgeschüttet. Weiterhin erhalten die Spieler einen Gemüsechip für zwei Laienbrüder bei der Feldarbeit. Es folgt die zweite Phase, in der die Spieler einen Cellerar  einstellen und Gemüse kaufen können. Jeder Spieler darf nur einen Cellerar besitzen. Die Spieler können ihren Cellerar aber jede Runde austauschen. Das Einstellen eines Cellerars kostet Geld, ein Austausch die entsprechende Differenz. Der Kaufpreis eines Cellerars ist am Ende auch gleich viele Siegpunkte wert. Der Kauf zweier Gemüse-Chips kostet einen Denar.

Mit der dritten Phase folgt das Kernstück des Spiels. Jetzt können die Spieler eine Hundehütte kaufen (für einen Denar), Wachhunde für ein Gemüse erwerben und Laienbrüder für Gemüse-Chips anwerben. Eigene Laienbrüder können nach Belieben zwischen Kloster, Feldarbeit und Kapelle (falls vorhanden) verschoben werden. Weiterhin können die Spieler in dieser Phase in ihren Tableau-Leisten aufsteigen, sofern sie die erforderlichen Kosten bezahlen. Sukzessive können die Konkurrenten auch Kapellenteile erwerben, die ebenfalls mit Geldkosten verbunden sind. Last not least können die Spieler in der dritten Phase auch Geld ansparen, um in der nächsten Runde Zinsen zu bekommen. Nun werden die Nahrungseinheiten ermittelt, die der jeweilige Spieler auf die Straße nach Cluny schicken kann. Dazu werden folgende Werte addiert: die Spalten der drei Wirtschaftsbereiche auf dem Kloster-Tableau + die Nahrungseinheit des eingestellten Cellerars + etwaige Boni f(Übereinstimmung des Cellerars mit der Produktionskarte etc.) + Nahrungseinheiten für jeden Laienbruder in der Kapelle. Gemäß der ermittelten Summe wird die Figur dann auf das entsprechende Feld der Straße nach Cluny gestellt.

In den beiden folgenden Phasen können die Sonderkarten und verbliebene Laienbrüder verwendet werden, um die Konkurrenten auf der Straße nach Cluny zurückzuwerfen und/oder die eigene Figur voranzubringen. Mittels Wachhunden und dem Viehhirten könne Angriffe abgewehrt werden. Last noch least müssen die verbliebenen Laienbrüder im Kloster ernährt werden bevor die Ablassbriefe (Siegpunkte) vergeben werden. Dazu wird der aktuelle Nahrungswert durch 10 geteilt und der Marker auf der Punkte-Leiste vorgezogen. Das Spiel endet nach der fünften Runde. Nun erhalten die Spieler noch weitere Ablassbriefe für ihre Laienbrüder im Kloster, für ihre Hunde und die vollendeten Wirtschaftsbereiche des Kloster-Tableaus. Der Spieler mit den meisten Punkten hat dann gewonnen. Zusätzlich zum Grundspiel können die Spieler auch noch die Varianten „Räuber“ und „Ereigniskarten“ dazunehmen, die aber die Kernmechanismen nur limitiert beeinflussen.

Meinung:

Wow … was für ein geiles Spiel! Domus Domini beweist eindrucksvoll, dass auch Kleinverlage absolute Top-Spiele veröffentlichen können, und der Redaktion von Franz-Josef Herbst (franjos) kann in diesem Fall ein echter Volltreffer bescheinigt werden.

Domus Domini spricht sowohl Vielspieler als auch ambitionierte Gelegenheitsspieler an, und trotz großer Aktionsvielfalt spielt sich das Ganze flüssig und leicht zugänglich. Die ersten beiden Phasen sind schnell abgefrühstückt, aber dann geht es ins Eingemachte. In der dritten Phase stehen den Spielern einige Möglichkeiten in beliebiger Reihenfolge zur Verfügung, was bei einer größeren Spielerrunde (ab vier Spielern) zu einer längeren Downtime führen kann. Die Wartezeit auf den eigenen Zug kann aber genutzt werden, um sich ausgiebig Gedanken über die eigenen Aktionen zu machen, was wiederum die Spielzeit in einem vernünftigen Rahmen hält. Und Überlegungen sind definitiv notwendig, um eine erfolgversprechende Strategie auszutüfteln. Ohne zuviel spoilern zu wollen kann an dieser Stelle gesagt werden, dass Geld verdammt knapp ist. In der Anleitung wird die Empfehlung ausgesprochen, in den ersten Runden möglichst viel zu sparen. Und das ist ein guter Tipp. Wer in den ersten beiden Durchgängen all sein Geld verpulvert, wird in der Regel am Schluss nach hinten durchgereicht. Trotzdem darf nicht nur gehamstert werden. Investitionen in Hundehütten und Celleraren sowie ein bedächtiger Aufstieg auf den Leisten lohnen sich definitiv, und wenn man schon eine Hundehütte hat, sollte auch unbedingt ein Wachhund erworben werden, zumal so ein Wuffi nur ein lausiges Gemüse kostet.

Laienbrüder sollten in den ersten Runden zweifellos zur Feldarbeit geschickt werden. Dadurch ist eine ordentliche Gemüseernte gewährleistet, was auf keinen Fall unterschätzt werden darf. Spätestens ab der zweiten Runde ist der Aus(bau) einer Kapelle empfehlenswert. Betende Laienbrüder müssen ja nicht ernährt werden, aber trotzdem steuern sie wertvolle Nahrungseinheiten bei der Ermittlung bei. Der perfekte Platz auf der Straße nach Cluny ist am Anfang sicherlich der letzte Platz direkt hinter den Vorderleuten. Auf zwei oder drei Punkte kommt es nicht an, aber die größere finanzielle Unterstützung ist immens wichtig für den weiteren Spielverlauf.

Der Spielspaß von Domus Domini ist klasse. Vor allem in der letzten Runde ist das Hauen und Stechen eröffnet, und erst dann lohnt sich auch die Investition eines Denars, um den Startspieler an den linken Nachbarn weiterzugeben. In den ersten paar Runden lohnt sich das zumeist nicht, denn die meisten Konkurrenten schicken ihre Laienbrüder lieber zur Feldarbeit und in die Kapelle, anstatt sie zum Angriff einzusetzen. Nichtsdestotrotz sollten die Spieler darauf achten, dass ein einzelner Konkurrent nicht zu weit enteilt. Ein Aufholen in der vierten und vor allem in der fünften Runde ist zwar kein Problem, aber es ist halt einfacher eine nicht allzu große Distanz zu verkürzen.

Auch am Spielmaterial von Domus Domini gibt es nichts zu bemängeln. Im Gegenteil – das Material ist von erstklassiger Qualität, und auch die Symbolik der Infoblätter ist durchweg zu loben, weil sie einfach verständlich konzipiert ist. Für die Karten liegt dem Spiel sogar eine stabile Plastikdose bei (wie man sie teilweise vom Skat her kennt). Sehr löblich … das ist in der Tat äußerst kundenfreundlich. Bei Domus Domini kommt also vieles zusammen: Spielspaß, Materialqualität und eine gelungene Optik. Eine bedenkenlose Weiterempfehlung ohne jegliche Abstriche versteht sich somit von selbst.

Fazit:

Neben dem Spielspaß und der hervorragenden Qualität punktet Domus Domini auch mit der thematischen Umsetzung. Bei vielen Spielen ist irgendein Thema bekanntlich einfach nur über die Mechanik gestülpt, aber Domus Domini fängt das Flair und das Charisma des mittelalterlichen Klosterlebens sehr gut ein. Gratulation an franjos zu diesem Glücksgriff, und es bleibt zu hoffen, dass der Verlag diesem Stil weiterhin treu bleibt und die Vielspielergemeinde bald wieder mit einer neuen Veröffentlichung begeistert.

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